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Das schwarze Schaf unter den Bewerbern


Blauäugige Personalrekrutierung kostet Zeit und Geld, oder: Wie man den Schaden in Grenzen hält, und woran der Unternehmer Falschspieler erkennt.

Da spricht man auf der einen Seite von Arbeitslosenzahlen, dass sich die Balken biegen, auf der anderen Seite beklagen sich Unternehmen immer wieder – Konjunkturflaute hin oder her –, dass sie keine Mitarbeiter finden, oder dass es zumindest sehr schwer ist, die passenden Leute zu rekrutieren.
Stellt man in der Schweiz die Zahl der offenen Stellen der Zahl der Arbeitslosen gegenüber, müsste man wohl meinen, dass jeder Arbeitgeber den passenden Mitarbeiter finden sollte.
Die Sache hat allerdings einen Haken. Die Arbeitslosigkeit hat in der Schweiz zwar einen hohen Stand erreicht, allerdings ist ein Grossteil der Arbeitslosen wirklich nur schwer einzusetzen und noch lange nicht jeder registrierte Arbeitslose oder Stellensuchende will wirklich eine Arbeit finden. Oder zumindest nicht sofort. Weshalb bewirbt sich also jemand für eine Stelle, die er gar nicht will? Oder von der er schon im vornherein weiss, dass er die Qualifikation für die Position nicht mitbringt? Es gibt einige Gründe, die zu diesem Verhalten führen. Neben der sozialen Verpflichtung, die sich mancher aufbürgt und dem Ansehen in der Gesellschaft, spielt wohl auch der finanzielle Aspekt eine erhebliche Rolle.

Arbeitslos sein bringt mehr Geld

Wenn jemand jahrelang in einer guten Position mit einem durchschnittlichen oder sogar überdurchschnittlichen Einkommen beschäftigt war, ist er kaum gewillt, den erstbesten Job anzutreten, der ihm angeboten wird. Und unsere Sozialversicherung macht es den Betroffenen relativ einfach. Erhält doch beispielsweise ein verheirateter Arbeitsloser während rund eineinhalb Jahren eine Arbeitslosenentschädigung von 80 Prozent seines letzten Einkommens. So ist es durchaus an der Tagesordnung, dass mancher mit Stempeln mehr Geld erhält, als wenn er einer unterqualifizierten Tätigkeit nachgehen würde. Deshalb liegt es auf der Hand, dass sich der Betroffene für Stellen bewirbt, die er ohnehin nicht erhalten kann oder will, oder dass er die Bewerbung so unprofessionell oder abschreckend einreicht, dass er sich zum schwarzen Schaf disqualifiziert und bereits in der ersten Runde ausscheidet.

Vorsicht bei Lücken im Lebenslauf

Aber woran erkennt man Schwarze Schafe? Dazu Verena Eustache, Systor AG, Leiterin Human Resources Schweiz: „Schwarze Schafe sind Stellenbewerber mit einem unbeständigen Werdegang. Dieser zeichnet sich dadurch aus, dass vieles angefangen, aber nichts beendet wurde. Es sind aber auch Bewerber mit unvollständig und/oder schlecht präsentierten Unterlagen, welche zu detailliert, respektive mit irrelevanten Angaben vollgestopft sind.“ Ähnlich sieht dies Hans Peter Peier, Geschäftsführer Schweiz der Vedior Newjob AG: „Der Begriff ‚Schwarze Schafe’ gefällt mir eigentlich nicht. ‚Passend’ oder nicht ‚passend’ ist eigentlich eher zutreffend. Es sind Leute, die wirklich nicht arbeiten wollen, sich trotzdem bewerben und falsche oder unwahre Unterlagen präsentieren. Dazu gehören falsche Angaben im Lebenslauf oder auch gefälschte Zeugnisse. Häufig erkennt man die Falschspieler an Lücken im Lebenslauf. Wenn jemand beispielsweise den Zeitraum seiner vergangenen Anstellungsverhältnisse mit ganzen Jahreszahlen angibt, können da schon einige Monate unter den Tisch gekehrt werden. Jahresgenaue Lebensläufe werden von Profis genau recherchiert.“

Das persönliche Gespräch

Hat es der Bewerber mit seinen Unterlagen dann aber doch bis zum persönlichen Vorstellungsgespräch geschafft, heisst das noch lange nicht, dass seine Absichten ehrlich sind. Auch im Interview kann sich der Personalverantwortliche an einigen Regeln orientieren. „Ein Bewerber kann aus dem Rennen scheiden, wenn er nicht auf Fragen eingeht und keine Antwort geben will oder kann“, fährt Verena Eustache fort. „Aber auch unvollständige Antworten oder ‚Schwätzer’ disqualifizieren sich. Zu spätes Erscheinen, ein Verhalten, welches nicht der Situation angepasst ist, wenig Sozialkompetenz und eine ungepflegte Erscheinung geben ebenfalls Minuspunkte.“ Für den Geschäftsführer der Vedior Newjob gibt es drei Grundregeln um die Spreu vom Weizen zu trennen. „Erstens muss jeder Bewerber einen Fragebogen ausfüllen, woraus schon mal die ersten Schlüsse gezogen werden können. Zweitens muss für das Gespräch eine angenehme und entspannte Atmosphäre geschaffen werden: Diese fördert das Gespräch und führt dazu, dass der Kandidat ehrliche Antworten gibt. Und drittens, und von entscheidender Bedeutung: ist die Referenzauskunft. Dabei kann es natürlich vorkommen, dass eine Auskunft schlecht ist, was aber nicht am Bewerber liegen muss. Dann muss halt eine zweite Referenz eingeholt werden.“ Auch für die HR-Leiterin der Systor ist klar: „Schlechte Zeugnisse und/oder Referenzen können eine mögliche Anstellung verhindern.“
Verena Eustache beziffert schätzungsweise fünf bis zehn Prozent der Bewerber als schwarze Schafe. Hans Peter Peier gibt sich vorsichtiger: „Das ist schwierig zu sagen, denn Ausreden, weshalb ein Bewerber eine Stelle nicht antreten will, können nicht überprüft werden.“ Und die häufigste dürfte wohl sein: „Ich habe eine andere Stelle gefunden.“

Von Marcello Caranci (erschienen in InfoWeek)

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