Ich werde mein eigener Chef
Um erfolgreich in die Selbständigkeit zu starten, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein.
In den letzten 20 Jahren stieg die Zahl der im Handelsregister eingetragenen Firmen um mehr als 50 Prozent. Firmen-Neugründungen sind in der Schweiz gefragter denn je. In der Schweiz entstehen zur Zeit rund 30'000 neue Firmen pro Jahr. Jungunternehmern fehlen jedoch oft die finanziellen Mittel um langfristig erfolgreich zu bestehen. Laut einer Studie des Bundesamtes für Statistik haben 34 Prozent der neu gegründeten Unternehmen die ersten 5 Jahre nicht überstanden. Verantwortlich für das Scheitern sind vor allem folgende Faktoren: Geldmangel, fehlende Information, mangelnde Qualifikation und unzureichende Planung.
Nicht jeder verfügt über das entsprechende Know-how, verbunden mit der nötigen Erfahrung und einem finanzkräftigen Partner im Rücken.
Die Firma ACS Trading wurde 1997 gegründet und fungiert als reiner Distributer von Verbrauchsmaterialen aller führenden Printer-Hersteller wie HP, Lexmark, Canon, Brother, Epson, Kyocera, IBM, Ricoh und Xerox. Heute beschäftigt das Unternehmen 14 Mitarbeiter und erwirtschaftet dieses Jahr einen Umsatz von rund 60 Millionen Franken. Heinz Wiedemeier, Geschäftsführer der ACS Trading: „Ohne finanzkräftigen Partner ist es absolut unmöglich, 60 Millionen Franken zu erwirtschaften.“
Die Ziele hoch stecken
Aber auch weitere Faktoren hängen wesentlich vom Erfolg einer Firma ab. Hohe Ziele, Durchhaltewillen, überdurchschnittlicher Einsatz und die konsequente Zielverfolgung sind die wichtigsten Grundelemente für einen steilen Aufstieg. „Einer der wichtigsten Faktoren, ein Geschäft langfristig erfolgreich zu machen, ist die Notwendigkeit, die ursprünglich festgelegten Strategien zu verfolgen und konsequent durchzuführen,“ erklärt Heinz Wiedemeier. Die Erfolgsfaktoren für eine Firma seien ein seriöser Aufbau, die Konzentration auf das eigentliche Produkt und die langfristige Kundenpflege. „Wir konzentrieren uns nur auf das Kerngeschäft, den reinen Handel und Vertrieb. Teilbereiche haben wir ausgelagert. Die Logistik wird beispielsweise durch unseren strategischen Partner Planzer abgewickelt. haben wir ausgelagert. Auch grosse Projekte, die einen schnellen Umsatz generieren, werden ausschliesslich über Wiederverkäufer abgewickelt. So fällt man der eigenen Kundschaft nicht in den Rücken und hat langfristig den besseren Bestand.“ Heinz Wiedemeier: „Den grössten Fehler, den junge Unternehmer machen, ist, dass sie sich zu stark verzetteln. Um schnell ein bisschen Geld zu verdienen, machen sie jedes Kleingeschäft und verkaufen auch Produkte, von denen sie nicht allzuviel verstehen.“
Glück allein reicht nicht
Ein Start-up-Unternehmen muss klare Ziele und Visionen haben. Erst wenn eine Firma den Initial Public Offering (IPO), den Börsengang, plant, stehen die Investoren Schlange. Die CC Trust AG, in welche die ACS eingegliedert ist plant den IPO mit einer Partner-Gruppe in zwei bis vier Jahren. Vom Börsengang verspricht sich das Unternehmen, genügend Mittel für die nötigen Investitionen und für die Festigung der Marktposition zu erhalten. „Nicht, dass wir ins Ausland expandieren wollen, aber sobald die Grenzen geöffnet werden, kommt eine Flut von starker, paneuropäischer Konkurrenz auf uns zu. Dagegen wollen wir gewappnet sein.“, erklärt der Geschäftsführer.
Die Voraussetzungen müssen stimmen
Jungunternehmen, die nicht über die finanziellen Mittel oder die entsprechenden Partner verfügen, müssen neue Wege suchen. Und gerade mit innovativen Ideen in der Hightech-Branche der Informationstechnologie bestehen stehen einige Türen offen. Selbst Banken, die sich bei Jungunternehmern sonst zurückhaltend zeigen, treten bei Hightech-Projekten plötzlich als Investoren auf. Die Zürcher Kantonalbank bietet Start-up- und Venture-Finanzierungen an, die Credit Suisse mischt bei Innoventure Equity Partners mit, einer Gesellschaft, die „exzellenten“ Projekten mit zwei bis fünf Millionen Franken unter die Arme greift. Aber die Voraussetzungen, um von einer Bank oder einer Venture-Capital-Organisation gefördert zu werden, sind hart.
Die UBS hat mit der Aventic AG eine Tochtergesellschaft zur Finanzierung von Start-ups gegründet. Das Unternehmen besteht seit 1999 und investierte bis jetzt rund 200 Millionen Franken in 30 Unternehmen und 9 Fonds (Fund-to-Fund), wobei die Direktinvestments im Vordergrund stehen. Das Investitionsvolumen für ein Projekt beträgt zwischen 1 und 16 Millionen Franken, wobei im Durchschnitt vier Millionen investiert werden. Dr. Martin Balters ist einer von drei Partnern von Aventic Partners AG, der Management-Gesellschaft der Aventic AG: „Um Gelder in eine Gesellschaft zu investieren, müssen klare Voraussetzungen erfüllt sein. Wir unterscheiden grundsätzlich zwischen Technologie- und Dienstleistungsunternehmen. Ein Dienstleistungsunternehmen kann erst nach einer bestimmten Grösse mit einer Finanzierung rechnen. Das Management-Team muss sich bewährt haben. Ausserdem muss sich ein Dienstleister bereits in einem Teilmarkt etabliert haben und begründen können, wieso das Geschäft skalierbar ist.“ Als ein Beispiel für die Investition in ein Dienstleistungsunternehmen führt Martin Balters die The Bee Company an, einer der führenden Call-Center-Betreiber der Schweiz. „In das Unternehmen wurde investiert, als die Expansion auf Europa bevorstand.“
Ein Technologie-Unternehmen hat auch die Chance, bereits in einer früheren Phase finanziert zu werden. Aber auch hier sind die Voraussetzungen klar vorgegeben. Martin Balters: „Wenn eine Firma ganz am Anfang steht, muss das Produkt um Faktoren besser sein als die Produkte der Konkurrenz.“ Als ein Beispiel, welches von Aventic finanziert wird, führt Balters die Firma elmicron an. Das Unternehmen entwickelt und produziert mikromechanische Komponenten, die um Faktoren kleiner sind als bestehende Produkte und in Massen produziert werden können. Dies kann als sogenannte Unique Selling Proposition (als Erfolgsfaktor) betrachtet werden. „Ein Unternehmer muss ausserdem technologische Kompetenz untermauern,“ erklärt Balters, „er muss ein Team haben, das Produkt sollte fertig entwickelt sein und im besten Fall sollte es bereits Umsatz generieren. Es gibt einen Markt, es gibt Produkte und es gibt ein Management. Das wahrscheinlich wichtigste ist das Management-Team.“ Dieses wird von Martin Balters mit mehr als 50 Prozent gewertet. „Die weiteren Elemente sind ein gutes Zusammenspiel, nötiges Geschick, Drive, Zuverlässigkeit und Vertrauen.“
Und wenn alles nichts nützt
Man unterscheidet vier Investitionsstufen:
- Seed-Capital: Neue Geschäfte, wo noch gar nichts läuft.
- Start-up-Capital: Firmen, die schon gegründet sind und das Produkt eventuell schon im Pilotstadium haben.
- Early-Stage-Capital: Umsatz wird bereits generiert.
- Later-Stage-Capital: Finanzierung von Expansionen.
Die meisten Venture-Capital-Gesellschaften stellen kein Seed Capital zur Verfügung, was die Beschaffung von Geldern für Frischlinge noch schwieriger macht. Für die innovativsten Geschäftsideen mit grossem Wachstumspotential stehen eine Reihe von Alternativen zur Verfügung. In der Schweiz werden regelmässig einige Start-up-Wettbewerbe durchgeführt. Es werden auch eine Anzahl von Förderpreisen für Jungunternehmer verliehen.
Von Marcello Caranci (erschienen in InfoWeek)